Hinanger Wasserfall
Oberhalb des Ortsteiles Hinang gelegen, bietet der Wasserfall ein sehenswertes Naturschauspiel, das mit einer kleinen Rundwanderung oder einem Spaziergang in Richtung Gasthof "Sonnenklause" verbunden werden kann.

EiszeitEiszeit ist am Hinanger Wasserfall nicht nur im Winter spürbar. Natürlich beeindrucken gerade dann die spiegelglatt vom Eis überzogenen Felsflächen, die meterhohen Eiszapfen und die kristallin erstarrten Felsfluren. In Gletscherfarben – Weiß, Grau, Blau – kleidet sich der Wasserfall und hüllt sich leise tropfend in Stille. Kalt und still war sicher auch die letzte Eiszeit vor rund 20.000 Jahren. Gletscherströme, bis zu 700 Meter mächtig, haben damals das Illertal und seine Seitentäler erfüllt. Nur die obersten Berggipfel waren gletscherfrei und damit der Forstverwitterung ausgesetzt, während die Gletscherlast darunter liegende Gesteinsschichten gedrückt, gehobelt, vermischt und verfestigt hat. Die Felswände am Hinanger Wasserfall sind solche vom Gletscher gepresste, eiszeitliche Gerölle, die beim etappenweisen Rückzug der Gletscher mit Ende der Würm-Eiszeit vor rund 10.000 Jahren freigesetzt wurden. | 
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"Quelltuff lebt"
 | Seither arbeitet das Wasser am Vermächtnis der Eiszeit. Mit stetem Tropfen höhlt und gräbt es sich durch die harten Felsbänke. Am oberen Hinanger Bach hat sich so eine tiefe Klamm und am Wasserfall ein schmaler, messerscharfer Einschnitt gebildet. |
Gleichzeitig bauen sich durch die Kraft des Wassers seit Jahrtausenden neue Gesteinsschichten am Wasserfall auf: Quelltuff, der ähnlich wie in einer Tropfsteinhöhle durch das Ausfällen von Kalk eigenwillige und imposante Steinskulpturen bildet. Das poröse Tuffgestein entsteht dabei durch eine chemische Reaktion des kohlensäurenhaltigen Regenwasser, das bei Durchsickern des extrem kalkhaltigen Gesteins Calcium herauslöst und diese beim Austritt aus dem Fels tropfenweise in hauchdünnen Kalkschichten wieder abscheidet.
„Quelltuff lebt“ – diese naturkundliche Besonderheit wird am Hinanger Wasserfall besonders deutlich: der flächenhafte Moosbewuchs an den stets überrieselten Felswänden verstärkt die Tuffbildung noch.
Einzigartige FloraDer Sonne entgegen streben die Pflanzen in den Felswänden umso mehr, wenn sie die höhersteigende Sonne zentimeterweise Blatt für Blatt aus der winterlichen Erstarrung erlöst. |
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Dann hat der Wasserfall eine ganz besondere Flora zu bieten: zahlreiche Alpenrosen haben auf Felsbänken Wurzeln geschlagen, Fettkräuter kleben wie grüne Seesterne an glatten Felswänden und Fels-Fingerkraut, Fels-Baldrian und Zwerg-Glockenblumen zieren die Felsritzen. All diese Arten sind auf ihre Weise auf den felsig-feuchten Lebensraum spezialisiert.
Einige von ihnen haben ihre Hauptverbreitung auf den Berggipfeln oberhalb der Waldgrenze und lassen sich, wie beispielsweise Alpenrosen und Zwerg-Glockenblume, über den Bach aus den alpinen Regionen anschwemmen.
Auch der Wald „genießt“ das kühl-feuchte Klima, anstatt des sonst üblichen Buchen-Fichtenwaldes finden wir einen für solche Standorte charakteristischen Eschenwald, der die durchsickerten Rutschhänge festigt.
Vor allem bei hochsommerlichen Temperaturen bietet der schattige und in Bachnähe luftfeuchte Tobel erfrischende Kühle.
Der Weg zu den Wasserfällen ist ab dem Ortsteil Hinang ausgeschildert und beginnt abzweigend von der Straße "Gasthof Sonnenklause" oder rechts abzweigend von der Straße in Richtung Ortsteil Hochweiler.